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5. Mai 2026

Alles ist anders und alles bleibt gleich

Für einen gedehnten Augenblick

steht die Welt für mich still,

mein Herz schlägt ungefragt weiter

auch wenn ich gerade wollte,

dass es so wie deines,

einfach anhalten sollte.

Es stolpert manchmal

und überschlägt sich,

doch die Erde,

sie dreht sich 

nach wie vor

Als wäre nichts gewesen,

als wärst du nicht fort,

als wäre dein Leben nicht 

zum Stillstand gekommen

und hätt meinem Herzen für

Sekundentakte auch

die Lebenskraft genommen  

Ohne langes Vorspiel,

ohne langes Bangen,

bist du einfach eingeschlafen, 

und deine erschöpfte Seele,

konnt endlich Freiheit erlangen.

Ich vermochte dich gehen zu lassen,

machte gedanklich den Weg dir frei,

auch wenn es schwer war

zu erfassen, dass dies nun

der absolute Schlusspunkt sei.

Die Welt bewegt sich einfach weiter

die Sonne geht am Morgen auf

und am Abend wieder unter

wie jeden Tag,

als wär deine geliebte Seel

nicht gefolgt einem

nur für dich hörbaren Befehl. 

Seit diesem Tag,

an jenem Wintermorgen,

nahmst du, mit deinem Sterben,

hinweg, so viele Sorgen.

Eine Sorge, die ganz unsichtbar

ein täglicher Begleiter war,

war die, dass ich würde den

Moment verpassen,

wenn du wärst bereit,

das irdische Leben 

hinter dir zu lassen.

Einfach in der Nacht zu gehen 

und ich würd dich erst am

nächsten Morgen sehen, 

würd mit zitternder Hand

deine zarte Wange berühren

deine kalte Haut erspüren.

Diese Gedanken kamen so oft angeflogen

und machten mir Angst,

doch denke ich, es ist normal,

wenn du häufig um das Leben

deines Kindes bangst.

So weit hast du es nicht kommen

lassen,

alle Konjunktive mit dir ziehen lassen,

und ganz real durfte ich dich,

sanft bei deinem Sterben begleiten

und dich, warm und weich, 

in meinen Armen halten.

Dennoch war ich hilflos

und in dem Moment allein,

wählte die Nummer vom Notdienst

und versuchte dann minutenlang,

ob dein Herz nicht wieder

käme in Gang.

Der Mann, am anderen Ende der Leitung,

gab mit einem Klacken

den Rhythmus der Herzmassage vor,

noch heute habe ich diesen Klang im Ohr.

Es kam die Rettung,

sie waren zu viert oder zu dritt,

ich bekam es zwar mit,

doch ich war überfordert,

von dem, was geschah,

von dem, was ich an diesem Tag sah.

Die Männer übernahmen routiniert,

meine kleine Lisa,

am Boden liegend

von ihnen flankiert

Bilder, 

gegen die ich einfach nicht ankam

und

Ein Albtraum gerade Realität annahm.

Die Familie inzwischen versammelt war,

deine Geschwister und dein Papa,

sie kamen so schnell sie konnten,

rasten herbei,

alle Arbeit war plötzlich Einerlei

nichts war mehr wichtig,

einzig nur Du.

Keiner von uns konnte wirklich begreifen,

denn was erschien,

wie ein schlechter Film,

war so real,

ging uns so unfassbar nah,

und wir konnten nur zusehn

doch ließen dich dann wirklich gehen.

Der Tag, der am Morgen anscheinend

so normal begann,

einen viel schrägeren Verlauf

dann nahm

es kam noch die Kriminalpolizei 

weil es laut Notarzt,

eine ungeklärte Todesursache sei.

Den Beamten merkten wir an,

dass ihnen ihr Job,

gerade so unangenehm war,

sie schauten dich an, stellten uns Fragen

schnell war ihnen klar,

dass es ein natürliches Sterben war.

Es kam der „Leichenwagen“,

für dich, mein Kind,

wobei die Begriffe

Leichnam, Tod und Du

in diesem Moment noch nicht

in mein Denken passen wollten.

Ich hätt es nicht ertragen,

und niemand sollt sich wagen

dich jetzt noch zu berühren,

so nahm ich dich auf meine Arme

und trug dich hin, zu dieser Bahre.

Das letzte Mal, 

dass ich dich halten konnte,

der letzte Weg,

aus dem Haus heraus.

Und die Welt?

Sie kümmert es nicht

denn du warst in der großen

Weltenkomposition

nur ein winziges Teilchen,

doch für mich

warst du die eine

unter einer Million.

Seit diesem Tag

habe ich das Gefühl,

dass du mir die Sonne schickst,

wenn meine Seele Wärme braucht

Dass du um meine Nase wehst

als kühler Morgenhauch,

und wenn der Regen leise

runter tropft,

du es bist,

die an mein Fenster klopft.

Alles ist anders

seit jenem Tag

und doch geht es weiter.

Vielleicht bist du im Frühling, 

der erste Schmetterling,

den ich sehe.

Ich gehe 

täglich zweimal, dreimal 

zu deinem Grab

wünsch dir einen

guten Morgen und 

spät am Abend

eine gute Nacht.

So stehe ich zu allen Zeiten

erzähle dir von meinem Leben

rede über dies und das

frag dich, wo du grad bist

sag dir, dass ich dich vermiss

und frag mich, ob‘s je besser wird.

Im Garten, in der wilden Ecke,

lass ich die Brennnesseln wachsen

damit Horden von Raupen

können sich ernähren

um zu den wundervollsten 

Schmetterlingen zu werden.

Denn seit jenem Tag,

grüß ich jeden Falter

der streift meinen Weg

Ich sag „Hallo Lisa“

und frag, wie es dir geht.

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